Diese Frage muß man sich in Anbe­tracht der der­zei­ti­gen Situa­tion um eine Äuße­rung eines Mit­glieds der Jun­gen Alter­na­tive in einem pri­va­ten Forum eines sozia­len Netz­werks berech­tig­ter­weise stellen.
Die Äuße­rung sel­ber betrifft den Durch­füh­ren­den des Atten­tats auf Hit­ler am 20. Juli 1944 – Graf Stauf­fen­berg. Die­ser wurde im oben besag­ten Forum als Ver­rä­ter bezeichnet.
Ver­rat sel­ber nun ist eine Illoya­li­tät gegen­über Per­so­nen, Grup­pen oder Orga­ni­sa­tio­nen bis hin zu Staa­ten. Das Straf­ge­setz der Bun­des­re­pu­blik kennt dies­be­züg­lich nur Geheim­nis­ver­rat sowie Lan­des­ver­rat und Hoch­ver­rat  – eine Illoya­li­tät gegen­über einer Per­son kennt es nicht – eben aus den Erfah­run­gen der Zeit von 1933 bis 1945, als Sol­da­ten auf Hit­ler per­sön­lich als „Füh­rer“ ver­ei­digt wur­den – und nicht auf das Deut­sche Reich. Im Gegen­satz dazu erfolgt das Gelöb­nis von Rekru­ten der Bun­des­wehr auf die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – und nicht auf den amtie­ren­den Kanz­ler oder den Bundespräsidenten.
Die Bezeich­nung „Ver­rä­ter“ ist somit nur im Kon­text einer Rechts­auf­fas­sung gül­tig, wie sie im Deut­schen Reich  von 1933 bis 1945 vorlag.
Nun aber zum eigent­li­chen Kern der Ausgangsfrage:
Hätte Stauf­fen­berg sich eine Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land gewünscht ?
Man muß es klar sagen: NEIN.
Warum? Stauf­fen­berg sel­ber ent­stammte dem Adel und durch­lief in der Wei­ma­rer Repu­blik eine  Kar­riere in der Reichs­wehr – also den Streit­kräf­ten des Deut­schen Rei­ches von 1921 bis 1935. Ins­be­son­dere die Tat­sa­che, daß Stauf­fen­berg die seit 1917 durch den ers­ten Ein­satz von Pan­zern  im Ers­ten Welt­krieg im Raum ste­hende Zukunfts­träch­tig­keit der Pan­zer­waffe in einem haupt­säch­lich als Bewe­gungs­krieg geführ­ten Krieg noch im Jahr 1938 – und damit ein Jahr vor den Blitzkrieg-Erfolgen der Wehr­macht in Polen und Frank­reich – in einer Stu­die nicht kor­rekt ein­schätzte, son­dern schein­bar einer Mili­tär­stra­te­gie anhing, die damals schon ver­al­tet und  rück­wärts­ge­wandt war – ver­gleich­bar mit den Rei­ter­trup­pen als eli­täre Angriffs­mit­tel der „alten Armee“ des Kai­ser­reichs – macht klar, daß Stauf­fen­berg sich wohl eher einer  klar geglie­der­ten Stän­de­ge­sell­schaft mit hohen Bar­rie­ren oder sogar Undurch­läs­sig­keit von einem zum ande­ren Stand ver­pflich­tet gefühlt hat als einem plu­ra­lis­ti­schen Entwurf.
Stauf­fen­berg sel­ber war über den in vier Fraktionen/Strömungen grob ein­teil­ba­ren Block der Adli­gen zum Krei­sauer Kreis gekom­men – einer Ver­ei­ni­gung von Adli­gen, Sozia­lis­ten sowie reli­giö­sen Ver­tre­tern bei­der Kon­fes­sio­nen, der sich 1940 bil­dete und bis zu sei­ner Selbst­auf­lö­sung Anfang 1944 eine Art Denk­fa­brik über die Zukunft Deutsch­lands dar­stellte. Aus­schlag­ge­bend für die Selbst­auf­lö­sung des Krei­sauer Krei­ses war die Ver­haf­tung des Grün­ders Hel­mut James Graf von Moltke durch die Geheime Staats­po­li­zei im Januar 1944. Moltke sel­ber war tief reli­giös und lehnte ein Atten­tat auf­grund sei­ner reli­giö­sen Über­zeu­gung ab.
Nach Auf­lö­sung des Krei­sauer Krei­ses bil­dete sich um Stauf­fen­berg eine Gruppe, die auch die Durch­füh­rung von Atten­ta­ten zum Zwe­cke eines Umstur­zes im Deut­schen Reich bil­li­gend in Kauf nahm. Ob diese Radi­ka­li­sie­rung aus der sich abzeich­nen­den mili­tä­ri­schen Nie­der­lage Deutsch­lands – hier zu nen­nen wäre der Zusam­men­bruch der Hee­res­gruppe Mitte der Wehr­macht im Som­mer 1943 in Ruß­land und der Lan­dung der Alli­ier­ten Anfang Juni 1944 in Frank­reich – pri­mär ent­stammt, ist nicht klar her­zu­lei­ten – von der Hand zu wei­sen ist sie aller­dings auch nicht.
Fakt ist jedoch, daß in dem Arti­kel „Der Krei­sauer Kreis und die zukünf­tige Neu­ord­nung Deutsch­lands und Euro­pas“ [1] von Hans Momm­sen aus dem Jahr 1994 die Vor­stel­lun­gen des Krei­sauer Krei­ses sehr gut beschrie­ben wurde, was die Neu­ord­nung Deutsch­lands betrifft. Diese Neu­ord­nung sollte in einer Viel­zahl von bis zu 20 Län­dern von 3–5 Mil­lio­nen Ein­woh­nern, der Ein­set­zung eines Reichs­ver­we­sers mit einem Macht­um­fang grö­ßer als der eines Reichs­prä­si­den­ten bzw. Reichs­kanz­lers der Wei­ma­rer Repu­blik als eine Art König ohne Mon­ar­chie und vor allem eine extrem beschränkte Demo­kra­tie, wo freie und geheime Wah­len nur bis auf Kreis­tags­ebene hät­ten statt­fin­den sol­len, umfas­sen. Alles dar­über hin­aus wäre im Sinne des Krei­sauer Ent­wurfs durch indi­rekte „Dele­gie­rung“ und Ein­set­zung erfolgt – ohne Ein­fluß der Bevöl­ke­rung. Den Par­la­men­ta­ris­mus sah der Krei­sauer Kreis durch die Erfah­run­gen in der Wei­ma­rer Repu­blik als geschei­tert und über­holt an.
Somit ent­spricht die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zwar in Ihrer Glie­de­rung in Bun­des­län­der zwar dem Ent­wurf des Krei­sauer Krei­ses – jedoch die wich­tigste Kom­po­nente – der Par­la­men­ta­ris­mus bun­des­deut­scher Prä­gung -  ent­spricht nicht den Zie­len des Krei­sauer Krei­ses und damit auch Stauf­fen­bergs, die beide eine Art auto­ri­tär gelenkte Pseudo-Demokratie mit reli­giö­sen Zügen anstrebten.
Stauf­fen­berg muß daher als Per­son geehrt wer­den, wel­che zwecks Besei­ti­gung eines Dik­ta­tors  über den Schat­ten des eige­nen, aus Geburt und Erzie­hung erwach­se­nen Wer­te­ka­nons beste­hend aus Ehre und Treue sprang – ähn­lich wie dies Arti­kel 20 Grund­ge­setz Absatz (4) vor­sieht im Falle, daß jemand ver­sucht die beste­hende Ord­nung in der Bun­des­re­pu­blik Deu­sch­land zu besei­ti­gen – aber gleich­zei­tig darf man auch nicht unter­schla­gen, daß Stauf­fen­berg Absatz (1) bis (3) mit Sicher­heit nicht so mit­ge­tra­gen hätte – ins­be­son­dere Absatz (2) , wo der bun­des­deut­sche Par­la­men­ta­ris­mus fest­ge­legt wird und alle Macht vom Volke ausgeht.
Stauf­fen­berg als Aus­hän­ge­schild oder Ursprung unse­rer par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie hin­zu­stel­len ist daher  grund­ver­kehrt –  man  sollte eher in Erwä­gung zie­hen, den 20. Juli in Zukunft als Gedenk­tag des Wider­stands als stil­len Fei­er­tag zu bege­hen – unter Strei­chung eines kon­fes­sio­nel­len Fei­er­tags und der Unter­las­sung von öffent­lich­keits­wirk­sa­men Gelöb­nis­sen von Rekru­ten wie im Moment. Dies würde auch den vie­len Ande­ren zur Ehre gerei­chen, die nicht auf Grund von Her­kunft und Bezie­hun­gen in die Lage ver­setzt wur­den, ope­ra­tiv und kon­zep­tio­nell den erfolg­reichs­ten aller geschei­ter­ten Umsturz­ver­su­che durchzuführen.
Abschlie­ßend sollte man sich im Geiste von Imma­nuel Kant die  Frage stel­len, wer diese Äuße­rung aus einem über­schau­ba­ren Kreis von Mit­glie­dern einer Gruppe eines sozia­len Netz­werks öffent­lich gemacht hat.  Wei­ter, warum man sich nicht sofort an den Bun­des­vor­stand der AfD gewen­det hat mit Bitte um Hilfe – anstatt schein­bar sofort die Medien öffent­lich­keits­wirk­sam ein­zu­schal­ten.  Und als letzte Frage, wel­che Moti­va­tion dahin­ter­stand oder –steht. Denn sehr oft sind es in der Poli­tik nicht die heh­ren Ziele son­dern schlicht Gier nach Macht oder Rache, die Men­schen dazu bewe­gen, unvor­her­seh­bare  Gele­gen­hei­ten aus­zu­nut­zen. Das aber kön­nen nur die Betei­lig­ten auf­klä­ren. Aber eins ist klar: Ein Par­tei­aus­schluß eines Mit­glieds wird nur extrem schwer zu bewerk­stel­li­gen sein – hier sei auf Arti­kel 5 Grund­ge­setz / Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung zu nen­nen, die ein Rich­ter vor einem Zivil­ge­richt  im Falle eines Aus­schlu­ßes und der Klage des Aus­ge­schlos­se­nen  höher bewer­ten würde als eine Geschichts­un­kennt­nis ohne Glei­chen in einem begrenz­ten Ver­brei­tungs­um­feld inklu­sive “Durch­ste­chen”. Ins­be­son­dere vor dem Hin­ter­grund, daß viele Schieds­ge­richte in der AfD „schlech­ter orga­ni­siert sind als die Jus­tiz in Dritte-Welt-Ländern“ (O-Ton eines ehe­ma­li­gen Bun­des­schieds­rich­ter und Rechts­an­walts aus NRW). Das weiß auch der Bun­des­vor­stand – mit Sicherheit.
Frank Sche­rie
Hin­weis: Der Ver­fas­ser hat sei­nen 15-Monatigen Grund­wehr­dienst 1987 bei der Feld­jä­ger­truppe der Bun­des­wehr  abge­leis­tet und durfte zwei­mal an einem 20. Juli  die von einem Telex-Ausdruck vor­ge­le­se­nen Tages­be­fehle des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung zu die­sem Thema genie­ßen. Das Niveau des Per­so­nals und die Aus­rüs­tung der Bun­des­wehr waren damals jedoch sehr viel bes­ser als zum jet­zi­gen Zeitpunkt.
[1] https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1994_3_3_mommsen.pdf