Zuge­ge­ben – per­sön­lich kenne ich die 60er [und hier ist nicht der gleich­na­mige Fuß­ball­ver­ein aus der Haupt­stadt mit Herz gemeint, der im Gegen­satz zum FCB Grün­dungs­mit­glied der Bun­des­liga ist] nur aus den Erzäh­lun­gen, da ich zwar über zwei­ein­halb Jahre in die­sem Jahr­zehnt zu Beginn mei­nes Lebens ver­bracht habe [Bau­jahr 1968 – die 1960er ende­ten bekannt­lich mit dem 31.12.1970 – und nicht mit dem 31.12.1969 – soviel zur „Jahrtausend-Arithmetik“], jedoch die Erin­ne­rung daran sehr begrenzt ist.
Nichts­des­to­trotz zeich­nete sich die­ses Jahr­zehnt durch den Über­gang von unbun­ten zu bun­ten Fern­seh­bil­dern [auch dies bekam Herr Frahm – alias Brandt – mit oder ohne Fla­sche in der Hand – geführt von den oder mit Hilfe der Her­ren aus der Nor­man­nen­straße in Ber­lin — nicht hin] , dem Mond­flug [des­sen 50. Jubi­läum in fünf Jah­ren natür­lich ohne Betei­li­gung von huma­no­iden Lebens­for­men auf dem Mond statt­fin­den wird] oder um noch­mal auf das Fern­se­hen zurück­zu­kom­men – durch lus­tige – manch­mal skur­rile – manch­mal nach­denk­lich machende Serien aus. Schau­spie­le­ri­sches Kön­nen war damals selbst­ver­ständ­lich – und gerade die­ses machte tech­ni­sche Unzu­läng­lich­kei­ten wie Bügel­ei­sen und Brau­se­köpfe als Raumschiff-Instrumente [heute hoch­tra­bend „Spe­cial Effects“] ohne Pro­bleme wett. Wie die Regis­seure es hin­be­kom­men haben, daß man von die­sen Serien weder Tin­ni­tus noch Schlaf­stö­run­gen bekam, bleibt für mich ein gro­ßes Geheimnis…
Eine die­ser Serien war die für das WWF [nein – hier ist nicht die glo­bal agie­rende Pseudo-Tierschutzorganisation gemeint, die Ihre Seele gegen Geld dem Leib­haf­ti­gen, Nestlé oder Shell ver­pfän­det – eh das glei­che – son­dern das „West­deut­sche Werbe Fern­se­hen“] pro­du­zierte Kri­mi­se­rie „Die selt­sa­men Metho­den des Franz Joseph Wan­nin­ger“. Sel­bi­ger stellte einen Poli­zei­in­spek­tor dar – übri­gens eine Fehl­be­zeich­nung , da 1952 durch Erlaß die „Inspek­to­ren“ zu „Kom­mis­sa­ren“ wur­den. Die­ser Lap­sus wurde durch  einer ande­ren Kri­mi­se­rie kor­ri­giert – um sie ein paar Jahre spä­ter mit Derrick wie­der zu verschlimmbessern.
Inspek­tor Wan­nin­ger nun zeich­nete sich durch Bau­ern­schläue und Benut­zung unor­tho­do­xer Metho­den zur Ding­fest­ma­chung aus – und am Ende war der Fall gelöst. Ohne das die Indi­zi­en­kette einen Tee­beu­tel ent­hielt, der als Kind nur drei­la­gi­ges Klo­pa­pier zu essen bekam und in folge des­sen das resul­tie­rende Heiß­ge­tränk bewußt­s­eins­ver­än­dernde Sub­stan­zen frei­setzte, die wie­derum Mord und Tot­schlag aus­lös­ten – also die ganz nor­male, all­sonn­täg­li­che Tatort-Kost von heute eben.
Diese selt­sa­men Metho­den nun scheint sich Bür­ger­meis­ter Wig­gen­ha­gen aus Enne­pe­tal zu eigen gemacht zu haben, wenn man sich das elende Gezerre um eine wie auch immer zu bewäl­ti­gende Bele­bung der Fuß­gän­ger­zone und die Deu­tungs­ho­heit bezüg­lich der erreich­ten Ergeb­nisse anschaut.
Schauen wir uns die Aus­gang­lage zunächst an. Im Mai 2008 wurde das Ein­kauf­zen­trum  Ecke Kölner/Voerder Str. eröff­net, wel­ches in der desi­gnier­ten Fuß­gän­ger­zone prompt Leer­stand nach sich zog . Sep­tem­ber 2008 wurde mit gro­ßem Trara vom Vor­gän­ger Herrn Wig­gen­ha­gens die Fuß­gän­ger­zone eröff­net und damit der „finale Ent­haup­tungs­schlag“ gegen die Innen­stadt geführt – der dann fünf Jahre spä­ter [Gibt es einen Fünf-Jahres-Plan der Stadt Enne­pe­tal ? Und wenn ja – hat ihn das Zen­tral­kom­mite ver­ab­schie­det ? Und wurde das Plan­soll über­er­füllt ? Sie mer­ken – ich kann mich eines gewis­sen Zynis­mus nicht erweh­ren] zu der glor­rei­chen Ein­sicht führte, daß der Fried­hof von Chi­cago nachts um zwölf mehr Leben auf­weist, als die Fuß­gän­ger­zone von Enne­pe­tal. Per­sön­lich habe ich beim Auf­hän­gen von Wahl­pla­ka­ten für die AfD zumin­dest einen Schat­ten gese­hen, der u.U. ein soge­nann­ter „Step­pen­läu­fer“ (lat. Sal­sola tra­gus) gewe­sen sein könnte – sie wis­sen schon – diese Kugel­bü­sche, die in Wes­tern durch die Haupt­straße wehen, wäh­rend die bei­den Pis­to­le­ros dar­auf war­ten, daß der jeweils andere sich bewegt.
Nun haben wir also 2014 und Ei der daus wird ein Elek­tro­f­ach­markt genau am ande­ren Ende des der bald ver­kürz­ten Fuß­gän­ger­zone eröff­net. Wie und ob sich die­ser durch Wer­be­maß­nah­men a lá „Am Tag X nur 14 Euro für jeden 14. Kun­den“ (Vor­schlag: jeder 10. Kunde bekommt einen Step­pen­läu­fer – die gibt’s ja mas­sen­weise gra­tis – vor­rä­tig eben – siehe oben) in die Reihe der durch Inter­net­han­del dahin­sie­chen­den Platz­hir­sche ein­reiht, bleibt der Zukunft überlassen.
Es wäre natür­lich auch von Inter­esse, wie hoch die Gewer­be­steu­er­be­frei­ung für den Elek­tro­f­ach­markt ist – und ob die dann dort Ange­stell­ten auch Voll­zeit­be­schäf­tigte sind – oder wie es nun mal heute en vogue ist, als Mini­job­ber in Teil­zeit beschäf­tigt wer­den, Mit anschlie­ßen­der Durch­rei­che zwecks Auf­sto­ckung in die Bis­marck­straße bzw. nach Schwelm zum gro­ßen roten A. Fra­gen über Fra­gen, die sich der steu­er­zah­lende abhän­gig Beschäf­tigte und Bür­ger ja mal stel­len darf – denn er zahlt ja die Zeche letzt­end­lich – immer.
Fakt ist jedoch eins: Nimmt man sich mal Google Earth und „ver­mißt“ die ver­schie­de­nen Fuß­gän­ger­zo­nen der Nach­bar­städte, kommt man auf fol­gende Ergebnisse:
Enne­pe­tal: Ein­kaufs­zen­trum  bis neuer Elek­tro­f­ach­markt: Mini­mal 700 m – von Park­haus zu Park­platz ca. 850 m.
Gevels­berg: Markt bis Ende Fuß­gän­ger­zone: Maxi­mal 300 m
Schwelm: Unter­mau­er­str. bis Ecke Hauptstr./Wilhelmstr: 360 m
Wuppertal-Barmen (Werth): 540 m
Wuppertal-Elberfeld (geschlos­se­nes Poly­gon:  Kauf­hof – Saturn – Post­str. – Wall): 700 m
Benutzt man also das Auto, um in Enne­pe­tal vom einem Epi­zen­trum zum ande­ren zu gelan­gen, braucht es min­des­tens 10 Minu­ten und min­des­tens 4 Ampeln. Macht man das Ganze zu Fuß – am bes­ten noch im Schnee und u.U. mit Kin­dern an der Hand – sind wir schon bei 1400 Metern – hin und zurück. Mit ein paar Taschen am Arm ist dies m.E. eine nette Trai­nings­ein­heit – die nach der ers­ten Absol­vie­rung wie­der zu Methode 1 führt – Auto ! Die Wahr­schein­lich­keit, daß also jemand von einem Epi­zen­trum zum ande­ren per pedes apostel­o­rum wackelt, ist somit rela­tiv gering. Und damit zwangs­läu­fig ebenso gering  die Wahr­schein­lich­keit – selbst bei ver­kürz­ter Fuß­gän­ger­zone – einen Fuß in die Geschäfte der ver­blie­be­nen Ein­zel­händ­ler zu set­zen, die seit fünf Jah­ren vor sich hin leiden.
Betrach­tet man die drei ande­ren Loka­li­tä­ten, so haben diese ein erheb­lich bes­se­res Waren­an­ge­bot – bei kür­ze­ren Dis­tan­zen. Ich kann daher beim bes­ten Wil­len die Gedan­ken­gänge von Herrn Wig­gen­ha­gen und den dar­aus erfolg­ten Äuße­run­gen, daß man viel erreicht hat, nicht nach­voll­zie­hen . Da die Fuß­gän­ger­zone Wuppertal-Barmen genauso ein trau­ri­ges Dasein fris­tet wie ihr Enne­pe­ta­ler Pen­dant könnte man sogar auf die Idee kom­men, die Enne­pe­ta­ler Obe­ren hätte diese als Blau­pause genommen.
Es wäre mei­nes Erach­tens an der Zeit, daß der alte Bür­ger­meis­ter – Herr Eck­hardt  – und der neue Bür­ger­meis­ter Herr Wig­gen­ha­gen offen und ehr­lich vor die Bür­ger von Enne­pe­tal tre­ten und die volle Ver­ant­wor­tung für die kom­plette und erfolg­rei­che Zer­stö­rung der Innen­stadt und des Ein­zel­han­dels über­neh­men – anstatt den Bür­gern wei­ter Sand in die Augen zu streuen. Ein bru­ta­ler – aber ehr­li­cher Ansatz wäre gewe­sen, das Ein­kaufs­zen­trum zu erwei­tern – z.B ein „Durchfahrt-Parkhaus“ mit einer zwei­ten Etage über den jet­zi­gen Park­plät­zen – und den Fach­markt dar­über – und ggf. das Ein­kauf­zen­trum sel­ber auf­zu­sto­cken und den Ein­zel­händ­lern bei einem Umzug best­mög­lich unter die Arme zu grei­fen. Dann hätte man zwar immer noch eine unbe­lebte Fuß­gän­ger­zone – aber den Ein­zel­han­del wei­test­ge­hend geret­tet und ein zen­tra­les Ver­sor­gungs­zen­trum eta­bliert – und das Geld für die Ver­kür­zung der Fuß­gän­ger­zone gespart. So hat man eine Mini-Ausgabe von Ober­hau­sen – wo das Zen­trum durch das Centr-O ent­völ­kert wurde und wird.
Selt­sam sind die Metho­den der Obe­ren – aber lei­der füh­ren Sie im Gegen­satz zu Inspek­tor Wan­nin­ger nicht zur Lösung – son­dern nur zu mehr Kos­ten – die wie immer der Bür­ger trägt. Solch  undurch­dach­ten Pla­nun­gen muß in Zukunft der Rie­gel vor­ge­scho­ben werden.
 Frank Scherie