Wer etwas älte­ren Semes­ters ist, der weiß mit dem Begriff „Spiegel-Affäre“ (siehe hier) etwas anzu­fan­gen. Aus­lö­ser war die Offen­le­gung von diver­sen Schwä­chen der damals noch jun­gen Bun­des­wehr in Bezug auf die Ver­tei­di­gungs­fä­hig­keit bei Angrif­fen durch den War­schauer Pakt.
Das sich sol­che Zustände im Jahr 2017 inzwi­schen wie­der mani­fes­tie­ren (siehe hier), wirft ein schlech­tes Licht auf die NATO und die Bun­des­wehr in einer Zeit, wo dicke Kin­der in Nord­ko­rea mit Knöp­fen spie­len und des­halb viel­leicht die Sire­nen los­heu­len könnten….
Obwohl das der­zei­tige Sirenen-Konzept des Ennepe-Ruhr-Kreises bei wei­tem nicht kriegs­ent­schei­dende Bedeu­tung hat, so ist es sehr wohl einer der Kern-Bestandteile des Zivil­schut­zes was Alar­mie­rung von Ret­tungs­kräf­ten, War­nung der Bevöl­ke­rung etc. betrifft.
Auf Rück­frage der AfD-Fraktion wäh­rend der Sit­zung des Aus­schus­ses für Feu­er­wehr und Ord­nungs­we­sen am 10. Okto­ber 2017 wurde erläu­tert, daß die neuen elek­tro­ni­schen Sire­nen neben den übli­chen Warn­si­gna­len auch Sprach­durch­sa­gen ermög­li­chen. Aller­dings konnte man nicht bestä­ti­gen, daß die elek­tro­ni­schen Sire­nen gegen elek­tro­ma­gne­ti­sche Impulse (EMP) geschützt sind – z.B. durch „Här­tung“. Da die ange­spro­che­nen EMPs nicht nur bei Kern­waf­fen­ex­plo­sio­nen  son­dern auch bei star­ken Gewit­tern oder ande­ren Ent­la­dungs­er­eig­nis­sen auf­tre­ten, ist dies bedenk­lich – zumal die Aus­lö­sung nicht kabel­ge­bun­den von einer Leit­stelle erfolgt – son­dern über den digi­ta­len Behör­den­funk. Somit ist klar, daß solch ein Sys­tem ein  poten­ti­el­les Angriffs­ziel für Hacker-Angriffe dar­stellt. Ent­we­der durch Infil­trie­rung der Com­pu­ter­sys­teme der Leit­stel­len, die den  Behör­den­funk bereit­stel­len oder durch elek­tro­ni­sche Stör­maß­nah­men wie z.B. Stör­sen­der (sogn.  „Jam­mer“), die für ver­schie­denste Fre­quenz­be­rei­che exis­tie­ren – jedoch in Deutsch­land theo­re­tisch nicht ein­ge­führt und betrie­ben wer­den dür­fen. Das dies kein Schutz ist, zei­gen die Dieb­stähle von mit GPS-Sendern ver­se­he­nen PKW, LKW und Land­ma­schi­nen, deren Sen­der genau durch diese Vor­ge­hens­weise lahm­ge­legt wer­den. Der Hin­weis, daß eine Hand­aus­lö­sung exis­tiert, ist zwar nett – aller­dings kom­plett nutz­los, wenn das Mobil­funk­netz oder der Behör­den­funk wie beschrie­ben durch einen EMP, durch einen geo­ma­gne­ti­schen Sturm in Folge eins Ereig­nis­ses auf der Sonne oder ein star­kes Gewit­ter zusam­men­bricht bzw. Last­ab­schal­tun­gen aus­ge­löst wer­den und das Strom­netz weg­bricht – wie 1989 in Kanada. Ins­be­son­dere der letz­tere Fall ist auch von beson­de­rem Inter­esse, da die Sire­nen zwar bat­te­rie­ge­puf­fert sind – jedoch in Zei­ten der IP-Telefonie kein Tele­fon­an­schluß ohne IP-Router funk­tio­niert – der wie­derum eine Netz­span­nung erfor­dert – und zwar an bei­den End­stel­len – vor­aus­ge­setzt, die Ver­mitt­lungs­stel­len sind auch bat­te­rie­ge­puf­fert – was zumin­des­tens frü­her der Fall war.
Ver­gleicht man diese Situa­tion mit der „Vor-Wende“ Zeit des Kal­ten Krie­ges, so erfolgte damals ent­we­der eine Hand­aus­lö­sung der elektro-mechanischen Sire­nen nach Alar­mie­rung per Tele­fon­an­ruf oder durch lei­tungs­ge­bun­dene Aus­lö­sung  zen­tral.  Neben­bei bemerkt sind elektro-mechanischen Sire­nen („Pilze“) nichts ande­res als ein Motor mit einer über eine Welle ange­trie­bene Scheibe, die die Töne erzeugt. Das diese elektro-mechanischen Sire­nen gegen EMPs nahezu immun sind,  da die Motor­wick­lun­gen sowas im Gegen­satz zu heu­ti­ger Elek­tro­nik ohne wei­te­res weg­ste­cken konn­ten – und kön­nen – sollte man froh sein, noch solch ein „Schätz­chen“ auf dem Dach zu haben. Natür­lich war auch die­ses Sys­tem der „Klap­per­ver­mitt­lung“  theo­re­tisch anfäl­lig , was elek­tro­ma­gne­ti­sche Ein­strah­lun­gen in das Tele­fon­netz oder das Signal­lei­tungs­netz  betraf – aller­dings um Grö­ßen­ord­nun­gen klei­ner als bei heu­ti­gen Sys­te­men. Und die Zeit, um solch ein Sys­tem wie­der flott zu machen, dürfte erheb­lich kür­zer gewe­sen sein als heut­zu­tage – allein aus Grün­den der sehr viel gerin­ge­ren Kom­ple­xi­tät und Anzahl der betei­lig­ten Komponenten.
So gese­hen bedürfte es also bei einem wirk­lich aus­fall­si­che­ren Sys­tem mehr als net­ter Spie­le­reien, die ver­gleich­bar sind mit einer ver­chrom­ten Rad­kappe an einer Klap­per­kiste ohne TÜV. Denk­bar wären hier Glas­fa­ser (nicht anfäl­lig gegen EMPs oder sons­tige Stör­at­ta­cken) als Signal­lei­tun­gen sowie ein­fa­che Opto-Elektronische Schal­tun­gen und Bau­teile, die EMP-gehärtet sind – kom­bi­niert mit einer batterie-gepufferten Sirenen-Kombination, die auf elek­tro­me­cha­ni­schem Wege Warn­si­gnale abgibt und nur die Durch­sa­gen über eine Elek­tro­nik ermög­licht. Alles andere sind hin­ter­fra­gens­wür­dige Kon­strukte und wurde nach Ein­schät­zung des Ver­fas­sers von Leu­ten erdacht, die nie einen Fuß in eine Kaserne gesetzt haben und / oder zum Typus von Men­schen gehö­ren, die  Pan­zer auf Grund­lage von Sperr­holz– und Papp­mo­del­len beschaf­fen (siehe hier) bzw. Jagd­flug­zeuge für tro­cke­nes Klima zu Allwetter-Jagdbombern für das reg­ne­ri­sche Mit­tel­eu­ropa umbauen, jedoch kein Geld für Han­gars übrig haben (siehe hier und hier ). Das die Indus­trie sol­che Dinge wie oben beschrie­ben heute nicht anbie­tet und der Bund Sachen wie Zivil­schutz auf Gemein­den, Kreise und Län­der abwälzt, sollte nie­man­den verwundern.
Ob aller­dings die Feu­er­wehr oder andere Zivil­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen wie THW im Alar­mie­rungs­fall  auch ein­satz­be­reit sind, wenn solch ein Stö­rungs­sze­na­rio ein­tritt, ist die zweite Frage – denn Motor­steu­er­ge­räte für Zivil­fahr­zeuge sind auch nicht gegen EMPs gehär­tet – das gibt es nur im mili­tä­ri­schen Umfeld. Somit sollte man dank­bar sein, wenn irgendwo noch ein Magi­rus Ura­nus oder Jupi­ter mit Lei­ter rum­steht, der lie­be­voll von Ange­hö­ri­gen der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr  in einer Scheune gepflegt wird und vor der Ver­schrot­tung geret­tet wurde. Der fährt immer – auch bei Minus 30 Grad Celsius…
In Hin­blick auf die Vor­gänge auf der korea­ni­schen Halb­in­sel muß man somit sagen: Bedingt Alar­mie­rungs­be­reit – Sechs – Set­zen. Wobei die Schul­di­gen aus­drück­lich nicht in Enne­pe­tal zu suchen sind, da man hier zum Glück dem fata­len Trend des Sirenen-Abrisses in den 1990ern  wider­stan­den hat – aber Pilze sollte man behal­ten – zumin­de­tens die aus Metall auf dem Dach.
Frank Sche­rie